...oder etwas zum nachdenken

Clooney erblickte am 23.04.2009 in meinem Zwinger gemeinsam mit seinen 2 Brüdern und seiner kleinen Schwester das Licht der Welt. 8 Wochen war er mein Baby, welches ich liebevoll und mit ganzem Herzblut aufzog. Als er gerade 3 Wochen alt war, kam Hr. M. und interessierte sich für meine Kleinen. Seine Wahl fiel auf meinen kleinen Clooney und er versprach mir, dass er es gut haben wird. Haus mit großem Garten und Kinder sollte Clooneys neues Zuhause werden und er gab an, sich bereits auf einem ortsansässigem Boxerplatz angemeldet zu haben, damit Clooney eine gute Ausbildung genießen kann. Ich sicherte ihm meinen kleinen Clooney zu und wir verblieben, dass er den kleinen Mann nach der Wurfabnahme abholen kann. 4 ganze Wochen hörte ich nichts mehr von Hr. M., also rief ich ihn an und fragte, ob denn noch Interesse an ihm bestünde. Er entschuldigte sich, dass er beruflich derzeit noch etwas eingebunden sei und kam gleich am nächsten Tag seinen Zwerg besuchen. Gemeinsam mit seiner Familie entschied er auch noch Clooneys kleinen Bruder Charlie bei sich aufzunehmen. Wenn ich bereits da geahnt hätte, was meine beiden Jungs erwarten wird, hätte ich sie nie im Leben in die Obhut dieser Familie gegeben. Anfänglich schien es den beiden Buben noch recht gut zu gehen, aber auf einmal, da waren sie gerade 5 Monate alt, brach der Kontakt ab. Immer wieder habe ich vergebens versucht Kontakt mit Fam. M. aufzunehmen. Erst am 03.12.2011 hörte ich wieder von den Beiden und es blieb mir fasst mein Herz stehen.

Ich werde nie vergessen, wie am späten Vormittag das Telefon bei mir klingelte und sich eine besorgte ältere Dame bei mir meldete. Sie fragte mich, ob ich die Züchterin von Clooney und Charlie sei. Ich bejahte und Fr. Bade gab mir zu verstehen, dass mein Clooney im Tierheim sitzt. Ich war sprachlos. Angeblich hätte er ein Kind gebissen. Die wahren Hintergründe waren aber ganz andere, wie sich noch herausstellen sollte. Fr. Bade berichtete mir, dass Charlie bereits mit einem Jahr zu neuen Leuten ziehen musste, da man ihn schlicht und ergreifend satt hatte. Charlie ging es seit dem sehr gut und ich wollte seine neuen Menschen gerne kennen lernen. Fr. Bade stellte sofort den Kontakt her und ich spürte sofort, dass Charlie die besten Menschen für sich gefunden hatte.

All unsere Sorge galt nun Clooney, der völlig verstört im Tierheim saß. Ich war 8 Stunden Autofahrt zu weit weg, um sofort reagieren zu können und wie selbstverständlich erklärten sich Charlies Herrchen und Frauchen bereit, mir zu helfen. Noch am selben Tag fuhren sie in das Tierheim und am nächsten Tag konnten sie Clooney zu sich nach Hause holen.  

Nun hieß es den Dicken aus Bayern abzuholen, meine beste Freundin war sofort bereit und so fuhren wir die weite Strecke bis ins tief verschneite Bayern. 

Als wir endlich bei Jana und Emmerich ankamen, wurden wir stürmisch von Charlie begrüßt. Clooney dagegen versuchte uns mit gesenktem Kopf auszuweichen und versteckte sich hinter Emmerich. Mir trieb es die Tränen in die Augen. Langsam versuchte ich Kontakt zu Clooney zu finden aber es war unmöglich. Uns war allen klar, dieser Hund muss Schreckliches erlebt haben und er hatte jegliches Vertrauen in die Menschen verloren. Clooney war in keinem guten Zustand, er war aufgedunsen, hatte stumpfes Fell und massiv stinkenden Durchfall. 

Wir blieben ein paar Stunden in Bayern um wenigstens ein wenig Vertrauen gewinnen zu können. Wir besuchten noch Fr. Bade und bedankten uns für ihre Aufmerksamkeit. Sie schloss Clooney gleich in ihr Herz und seitdem haben wir sehr engen Kontakt, denn das neue Leben von Clooney ist Fr. Bade sehr wichtig. Dann lockten wir Clooney ins Auto. Er wollte nicht einsteigen, aber mit viel Geduld gelang es uns dann doch. Ich setzte mich zu ihm auf die Rückbank. Er wandte sich von mir ab. Es war schrecklich. Ich streichelte ihn sanft und irgendwann legt er seinen Kopf auf meinen Schoß. Zu Hause angekommen, musste er erst einmal mein Rudel und meine Katzen kennen lernen. Er war verstört, legte sich viel abseits und mied jeden Kontakt. Nach ein paar Tagen musste ich mit meiner Boxeromi schimpfen, da sie der Meinung war, unseren Mittagsgulasch ohne Erlaubnis verspeisen zu dürfen. Ich hatte die Wohnungstür offen und in dem Augenblick, wo ich die Stimme erhob, merkte ich schon, wie Clooney in Panik verfiel und fluchtartig auf die Strasse lief. Ich lief ihm hinterher, aber erst nach ein paar Minuten gelang es mir, ihn anzulocken. Ich war geschockt und er tat mir so unendlich leid. An diesem Abend versuchte ich ihn auf meine Couch zu holen. Auch hier war zu spüren wie ängstlich er war und er konnte erst später in meinen Armen entspannen. Langsam entwickelte sich unser Verhältnis und es wurde von Tag zu Tag besser. Er lief nicht mehr weg wenn man ihn von der Leine machte, frass endlich und ich merkte, dass er endlich Vertrauen fassen konnte. Meine Mädels haben ihn von Anfang an ins Rudel aufgenommen und Clooney zeigte weder zu meinen Mädels noch zu meinen Katzen irgendwelche Aggressionen. Er war und ist ein total friedfertiger Hund.

Ende Dezember hatte ich ein paar Tage in der Schweiz bei meiner Freundin geplant und Clooney ohne Frage durfte mit. Nie im Leben hätte ich es übers Herz gebracht ihn nach so kurzer Zeit in Pflege zu geben. Das hätte er nicht überwunden. Der Urlaub in der Schweiz tat uns gut, wir verbrachten Tag und Nacht zusammen. Mein Clooney blühte immer mehr auf. Er hatte Spass und durfte dort seine ersten Hundesporterfahrungen machen. Er wurde von meiner Freundin sehr verwöhnt. Auch hier zeigte er sich als braver Hund, der die Hunde meiner Freundin ohne wenn und aber akzeptierte. Manu, wir danken dir für diese schöne Zeit und dass du, trotzdem wir Clooney noch nicht richtig einschätzen konnten, auch ihm diese schönen Tage ermöglichst hast.

Recherchen ergaben, dass Clooney`s zweites und drittes Lebensjahr wenig erfreulich und hundegerecht verliefen. Der Zwinger war sein Zuhause und er war nur noch eine Last. Niemand hatte mehr Lust sich mit ihm zu beschäftigen. Er störte nur noch. Vielleicht reicht es wenn ich schreibe, dass man mehrfache Wirbelfrakturen bei ihm feststellte, die nicht tierärztlich versorgt wurden, sondern von allein zusammen heilen mussten. Ich bin mir sicher, dass er diese nicht durch einen Unfall hat, dass er eine schwere blutende Darmentzündung hatte, die wohl keinem mehr auffiel, als er so allein im Zwinger vor sich hin vegetierte. Er muss Höllenschmerzen gehabt haben und Niemanden hat es interessiert.

 

All seine Qualen und sein Leid hat er aber jetzt überwunden und ist nun ein stattlicher, stolzer, treuer, selbstbewusster und lieber Boxerjunge. In keinster Weise zeigte er jemals Aggressionen irgendeinem Tier oder gar Menschen gegenüber. Dieser Grund wurde nur angegeben, um ihn ins Tierheim abschieben zu können. In einer Welt wo Geld keine Rolle spielt, da ist auch ein Leben nichts wert, das nächste Mal höre ich gleich auf mein Herz.

Heute darf er nun endlich ein Leben leben, dass er verdient hat. Er ist unser Hahn im Korb, der beste Welpensitter der Welt, er ist mein Herzbube. Er liebt es zu toben, liebt den Hundesport und mit Frauchen zu kuscheln, er ist der Erste auf der Couch und nachts schläft er tief und entspannt dicht an meiner Seite. Er frisst gut und sieht wieder aus wie ein gesunder Boxer aussehen soll. Sein Fell glänzt und er strotzt vor Muskelkraft. Er ist ganz einfach der beste Boxerjunge auf der ganzen Welt und ich bin froh, dass er wieder zu Hause ist. Niemals werde ich mir verzeihen, dass ich den schlechten Charakter dieser Menschen nicht erkannt habe und meinen Jungen ins Unglück geschickt habe. Nie im Leben gebe ich mein Bärchen wieder her. Ein Leben ohne ihn ist für mich unvorstellbar.

 

Ich liebe ihn von ganzem Herzen!

Mein ganz besonderer Dank geht an Susanne Bade, Jana und Emmerich die es möglich machten, dass Clooney wieder zu Hause ist und an Heiko, der sich seiner Ausbildung angenommen hat und ihm in so kurzer Zeit so viel beigebracht hat und ihm damit soviel Freude bereitet.

An alle diejenigen, die sich für ein Baby aus meiner Zucht interessieren: ich möchte so etwas nicht noch einmal erleben müssen, denn so was bricht mir das Herz. Clooney ist leider nicht der Einzige der seinen Menschen irgendwann zu viel wurde. Er hatte nur das traurigtse Schicksal von allen.

Auch Cappuccino, DelPiero und D`Artagnan wurden bereits nach kurzer Zeit wieder abgegeben.

 

Es ist keine Schande wenn man sich aus der Not heraus von einem Hund trennen muss aber bitte, haben Sie den Mut, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Auch wenn ich nicht jeden meiner Zöglinge zurück nehmen kann, so bin ich dennoch immer bereit, bei der Suche nach einem schönen neuen Zuhause behilflich zu sein.

 

Kein Hund muss im Tierheim enden!